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Pressestimmen |
Freigelassene Worte |
Wolfgang Borchert |
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(Fortsetzung)
Während Ruck gedämpft jazzt, seinen Kontrabass bis auf bloßes Geräusch reduziert, leuchtet Usbeck nicht nur mit dem Kerzenschein der Lampe, sondern mit Worten in die gut gefüllten Zuschauerreihen. Von der letzten Apfelblüte ist da die Rede. Verse erklingen im wahrsten Wortsinn: „Stell’ dich mit mir in den Regen / Glaube an seinen Tropfensegen“. Usbeck tut gut daran, ihre Rezitation nie durch zuviel Bewegung zu durchkreuzen. Ihr Tanz ist wohl kalkuliert, und wenn sie sich wie ein leiser Wirbelwind in die Tücher wickelt, manifestiert sich der Notschrei der verlorenen Kriegsgeneration auf berührende Weise. Den ersten Teil der „freigelassenen Worte“ bestimmen vor allem die Auszüge aus seinen Kurzgeschichten „Die Hundeblume“ und dem kurz vor Borcherts Tod veröffentlichten Gedichtband „Laterne, Nacht und Sterne“. Langsam rücken Usbeck und Ruck dann immer mehr das Blickfeld auf den Anti-Kriegs-Autoren, der für die braune Soldateska nur Verachtung übrig hatte und doch an der Ostfront selbst unendliche Schrecken erfuhr. Von Männern wie „gespenstische Krähen“ ist zu hören: „Wir schauen aus der Dämmerung in |
die Dämmerung“. Plötzlich folgt die legendäre pazifistische Mahnung „Dann gibt es nur eins“: „Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, Du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins: Sag Nein!“
Wenn Ruck schließlich erschrecken authentisch Maschinengewehrfeuer durch Schlagen seines Bogens auf den Bassklangkörper imitiert, erhöht sich die atmosphärische Intensität nochmals. Usbeck klettert auf den Tisch, kauert sich wieder zusammen, blickt erschüttert, ängstlich in den Saal. Das Licht ist dabei grünlich blau gefärbt. Die Sätze des Mädchens an den Kriegsheimkehrer Beckmann in „Draußen vor der Tür“ drängen sich förmlich auf: „Sei still Fisch“, und alles ist aus. Der lang anhaltende Schlussapplaus wird der formal und emotional außergewöhnlichen Annäherung an einen, vielleicht schon wieder zu sehr ins Abseits gerückten, Autoren wie Borchert da mehr als gerecht. Tanz, Klang, Stimme, Text und Musik so kann es (zusammen)gehen. 9. Februar 2010 |
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In einem kleinen Lichtkegel der Mann mit dem großen dunklen Kontrabass, eine schlichte und doch aufrüttelnde Melodie zupfend. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts eine zierliche Tänzerin auf und spricht mit klarer, ausdrucksstarker Stimme, die Augen weit geöffnet. Sie rezitiert Wolfgang Borchert. Mirjam Usbeck und Roland Ruck haben ein Programm aus eindrucksvollen Ausschnitten der Gedichte und Kurzgeschichten Borcherts geschaffen. |
Die Texte entfalteten sofort ihre bewegende und aufrüttelnde Wirkung. So war es dann umso schöner, dass Mirjam Usbeck und Roland Ruck den Abend mit dem “Laternentraum” ausklingen ließen. Ein doch vergleichsweise sanftes Gedicht Borcherts, bei dessen letzten Zeilen sie den Zuschauern doch ein Schmunzeln entlocken konnten. Alles in allem bescherte der Mix aus Literatur, Musik und Tanz dem interessierten Publikum einen gleichsam bewegenden, fesselnden und doch in gewisser Weise melancholisch stimmenden Abend.” (Weilburger Tageblatt, 24.4.07) ... Die Inszenierung geht dabei weit über das hinaus, was man gewöhnlich als Rezitation mit Musik kennt. Die zarte Tänzerin Mirjam Usbeck schafft mit klarer, unpathetischer Sprache, energiegeladenen Bewegungen und einer lebhaften Präsenz intensive Bilder, die durch das einfühlsame Bass-Spiel des Musikers Roland Ruck tiefe Eindrücke hinterlassen. Diese seltene Kombination und das spielerisch anmutende Zusammenwirken des Kontrabassisten und der Künstlerin erzeugen eine Atmosphäre von Leichtigkeit, die auch Stücke, die sich mit der Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Krieges befassen, verdaulicher und nahbarer machen.” (Kulturbüro Weilmüster, 5.11.06) |
Wolfgang Borchert (1921-1947) schrieb mit „Draußen vor der Tür“ (1947) das zentrale Drama der sogenannten deutschen Trümmerliteratur nach dem 2. Weltkrieg. Weniger bekannt, aber eindrucksvoll und berührend, sind seine Kurzgeschichten und Gedichte, in denen sich der Autor in knapp-präziser, emotional-eindringlicher Sprache als Meister der kurzen Form präsentierte. Wolfgang Borchert fasste seine Lebenserinnerungen in bildreiche Worte und gab in Zeiten der Hoffnungslosigkeit der fassungslosen Welt eine menschliche Stimme.
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